Berliner Indie-Film Firma legt feministischen Klassiker auf und trifft damit den Zeitnerv


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„Society for Cutting Up Men“ betitelte Valerie Solanas ihr radikalfeministisches Manifest in den 70ern. Die Berliner Independent Filmfirma Indie Spirit bringt den feministischen indie -Kultfilm der 90er Jahre A Gun For Jennifer erstmals auf DVD. Der Film ist in seiner feministischen Thematik ähnlich kompromisslos. Allison, die nach jahrelangem Missbrauch ihren Mann im Affekt erstochen hat, flüchtet nach New York und gerät in den Bann einer Frauengang, deren Rachefeldzüge immer größenwahnsinniger werden. Die vehemente Verbindung aus ultrahartem Feminismus mit wildester B-Movie-Ästhetik und Trash machte diesen Film zum absoluten Kult. A Gun For Jennifer ist ein Produkt der >>Girl Power<<-Bewegung der frühen neunziger Jahre, als »Rrriot-Grrrl«-Bands wie Bikini Kill sich vor tobenden Frauenmassen die BHs vom Leib rissen. Weibliche Gewalt wurde im Zuge von ‘68 mit “Rote Sonne” zum ersten Mal im Film gewürdigt. Filme wie “Thelma und Louise”, “Romance XXX” , “Baise-moi”, “Monster”, “Heaven” folgten nach.

Frauen bilden weltweit, was ihren rechtlichen Status angeht, die größte Minderheit. Selbst in der BRD besteht Gleichberechtigung immer noch auf dem Papier als in der Wirklichkeit. Daher ist es nur konsequent, wenn auch hierzulande der Feminismus ein Revival erfährt. Virginie Despentes beschreibt in ihrem aktuellen Buch „King-Kong-Theorie“, den Stress unter dem Frauen stehen, der durch die Verobjektivierung ihrer Personen entsteht. „Vieles von der angeblichen weiblichen Macht ist ein Fake. Die Macht liegt in den Händen der Männer. Sie sind die, die zahlen und wer das Geld hat, hat die Macht.“, sagt sie in einem Interview. Aber selbst in den westlichen Ländern gibt es keine aktuellen Statistiken, wie Einkommen und Besitz zwischen männlich und weiblich verteilt sind. Und so gilt vermutlich immer noch, der von Krishna Ahooja Patel in den 80ern formulierte Satz: „Die weibliche Hälfte der Weltbevölkerung verrichtet zwei Drittel aller Arbeit, verdient ein Zehntel und besitzt ein Prozent des Eigentums.“

“Popfeminismus” nennt Sonja Eismann in ihrem Buch “Hot Topic” den Feminismus neu zu erfinden. Auch das kürzlich erschienene Buch “Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht” von Meredith Haaf, Susanne Klingner und Barbara Streidl beschäftigt sich mit der wieder aufgekommen Feminismusdebatte. Genauso übrigens wie Eva Hermann und Christa Müller. Feminismus und Gleichbehandlung hat viele Aspekte. Und es gilt einen Feminismus zu entwickeln, der anders ist als die Anpassung und Übernahme von herrschendem „männlichem“ Verhalten. „Bis heute gibt es kaum Kritik an Männlichkeit. Es sieht so aus, als wäre das Gefängnis der Männlichkeit außerordentlich stabil gebaut. Immer noch sind es in erster Linie Männer, die die Ordnung des Staats, des Alltags bestimmen.“, sagt Despentes. Von der Emanzipation des Männlichen ist kaum etwas zu spüren. Im Gegenteil, kaum tauchen ein paar „Alphamädchen“ auf, wird gleich das Artenschutzprogramm aufgerufen.

In diesem Sinne, nicht lange fackeln, Mädels (und locker bleiben, Jungs), es gibt noch viel zu tun… Das Ladyfest 2008, das im August in Berlin stattfindet, ist die Gelegenheit feministisch abzufeiern oder wie Lady Bitch Ray im ersten der „Zehn Gebote des Vagina Styles“ formuliert: “Du hast einen Grund zum Feiern: Du hast eine Möse und Du bist eine Frau, die weiß, was sie will. Stehe dazu, Bitch!”
Malah Helman

Die DVD ist ab 16. Mai im Handel

In der deutschen Synchronfassung (Produktion: Independent Partners, Buch: Gerry Jochum, Synchronregie: RP Kahl) sprechen: Thomas Arnold, Lisa Braun, David C. Bunners, Daniela Caergel, Andreas Conrad, Kaspar Eichel, Oliver Elias, Nora Friedrich, Elmar Gutmann, Kathi Karrenbauer, Bettina Kurth, Axel Hartwig, Luise Helm, Malah Helman, Raimund Krone, Thaddäus Meilinger, Steven Merting, Tim Moeseritz, Gerald Paradies, Sarah Riedel, Susanne Schwab, Vera Teltz, Bernhard Völger, Julia Zimth.

 

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