Fotografie: Verschmelzungen- Fotoserien von Daniel Schaub
Gieskannen-Friedhof
Daniel schaub
Selbstfindung erfolgt durch Begegnung mit jemandem in der Welt. Demnach haben die ins Geistesinnern gewandten Prozesse eine Kehrseite, die einen gesellschaftlichen Raum verlangen und entstehen lassen – Verhältnisse. Unter diesem Vorzeichen lassen sich einfache und randständige Architekturstücke in Raum- und Zeitschiffe verwandeln.
Die aktuellen gesellschaftlichen Umgangsverfahren mit Kunst, Kultur und Sozialem, können am Verfall und der Entwertung von Gebäuden veranschaulicht werden. Trotz sozialer Stigmatisierung und massiven Zerrüttungen spiegeln diese Gebäude(-Komplexe) Visionen und Intentionen ihrer ehemaligen Daseinsberechtigung ungebrochen wieder. Dieser Umstand, der von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung ist, macht sie zu besonderen Orten. Denn an ihnen können die Widersprüchlichkeiten im sozialen Raum gesehen und praktisch erlebt werden. Diese Gebiete markieren Bruchstellen im Gesellschaftsgefüge, die Potentiale für individuelle und gesellschaftliche Veränderungen verkörpern, da sich an ihnen unsere gewohnten Denkmuster überwinden lassen.
Dieser fotografische Beitrag sieht sich zum einen als künstlerische und sozial-kritische Auseinandersetzung defizitärer Geschichtsführung und verfehlter Stadt- und Raumpolitik und zum anderen als die Beleuchtung verschiedener Etappen individueller Selbstformation.
„Betrete ich Flächen und Orten, trage ich mein Selbst an etwas heran, gewähre aber auch Raum, um Intentionen und Zustände der Gebäude in mich aufzunehmen. Resultat dieser Vorgänge sind Begegnungen und Geschehnisse, die aus individuellen Eigenheiten und gesellschaftlichen Begebenheiten etwas Neues hervorbringen – Verschmelzungen.“ (Daniel Schaub)
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