Mein Körper gehört mir- ich muß ihn aber nicht so wahnsinnig ernst nehmen


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Weiblicher Humor? Eine echte Ausnahmeerscheinung denkt man. Jüngste Phänomene auf Bühne und in der Literatur zeigen das weibliche Komik und Sexiness neu definiert werden. Der Zwang zum Schönheitsideal macht immerzu zu schaffen und auch Humor muß frau erst einmal entwickeln können. Malah Helman spricht mit Frl. Sandy Beach von den Teaserettes über den Mut zur Kuriosität.

Hallo Teaserettes, wie lange gibts euch schon?
Im April 3 Jahre.

Und was macht ihr so?
Wir machen eine Mischung aus Burlesque und Comedy. Angefangen hat es mit meiner Nachwuchscomedyshow im ältesten Striplokal Münchens. Da dachte ich, hej- es gibt eine Verbindung zwischen Komik und Striptease, die Burlesque. Dann bin ich nach Berlin umgezogen und habe eigene Truppe The Teaserettes gegründet.

Wo war erste Show?
Unsere erste Show war im Neuköllner Tabou Tiki Room, den gibts leider nicht mehr. Wir suchen uns selbst kleine Clubs. Unserer regulärer Spielort ist mittlerweile das Pirate Cove in Kreuzberg.

Was ist die Idee dahinter?
Die Teaserettes verbinden Comedy und Burlesque. Es geht uns weniger ums Anmachen, sondern es gibt immer eine Geschichte in den Nummern und ein Thema des Abends. Zum Beispiel Bunny Clyde, die eher die Figur einer Verbrecherin verkörpert als ein Sweetheart, versucht, Männer auszuziehen im übertragenen, wie realen Sinn. Es geht um die nackte Komik, könnte man auch sagen.

Wann entstand die Burlesque?
Die Burlesque hat ihren Ursprung in den Jahrmarktshows des 19. Jh. ist aber vermutlich noch älter. Es ging um die Verbindung verbotener Erotik, Satire und auch das Ausstellen von sogenannten Merkwürdigkeiten kann man als Vorläufer der Burlesque, Vaudeville und Revue betrachten. In den 20er Jahren gelangte das Genre zur Blüte und es gab eine Unmenge von Burlesquen, die durch die Länder tingelten.

Feiert die Burlesque ein Revival?
In den USA gibt es die Neo-Burlesque schon seit über 10 Jahren, in einer Mischung aus Subkultur und Genderfuck. In den USA, Großbritannien, den Niederlanden und auch in der Schweiz gibt es eine richtige Szene. Festivals gibt es in London,und in den Staaten. In Nevada findet jährlich ein riesiges Festival in der Wüste statt, das „Miss Exotic World Festival“. Hier treten richtige Burlesque-Legenden auf, etwa Tempest Stone, die über 70-jährig ist. In den USA gibt es auch ein extra Altersheim für Comedians und Stripper. Hier sind die Teaserettes einer der ersten Truppen gewesen. Wir tingeln auch. Man merkt nach all dem dem TVGequatsche gibt es wieder ein Bedürfnis nach life Shows, die unterhalten ohne seicht zu sein. Vielleicht hat die Gesellschaft auch gerade den sexuellen Overkill erreicht und die Verbindung von Sex und Komik bringt in gewisser Weise eine Erleichterung. Dita von Teese verkörpert eher die glamoröse Seite der Burlesque. Das Aussehen ist bei den Teaserettes nicht so wichtig. Aber unsere neue Männergruppe die Teasers haben eine Dieter vom Tresen Nummer im Angebot, wo ein Mann in ein Bierglas steigt.

Was sind die Vorbilder?
Für die zeitgenössische Burlesque bestimmt die 50er Jahre, wie Bettie Page, die als Fetischmodell begann, aber eine eigene Komik entwickelte zu dem was sie tat. Das merkt man auch an ihren Filmen. Wahrscheinlich brauchte sie Kohle und begann damit und wurde dann zum Kult. Die Teaserettes sind nach den Teaserama-Filmen mit ihr benannt. In Berlin war vor dem Zweiten Weltkrieg auch bekannt für seine Revuen, Kabaretts und Varietés. Aktuell ist für die hiesige Burlesque aber eher der Punkrock der Hintergrund, also Riot-Grrrl-Kultur und das Ladyfest.

Gehört die Neo-Burlesque zum neuen Feminismus (Popfeminismus)? Wie auch Lady Bitch Ray oder der Roman Feuchtgebiete von Charlotte La Roche?
Bestimmt. Es geht ja darum einen Umgang mit der eigenen Sexualität zu gewinnen, die Dinge beim Namen zu nennen, sich nicht nur oder anders über und mit dem eigenen Körper zu definieren. Für mich ist es immer wieder interessant zu sehen, daß beim Spiel mit dem eigenen Körper, auch ein reflexiver, anderer Umgang entstehen kann. Auf jeden Fall gibt es da ein Nachholbedürfnis. Und auch darum zu zeigen, holt euch eure Abziehbilder woanders her. Emanzipation bedeutet lachen zu können, über die Geschlechterklischees. Insofern ist die Neo-Burlesque eine Mischung aus Theorie und Strip.

Gibt es eine männliche Burlesque?
Nein, aber es gibt natürlich Männer, die in Damenshows auftreten. In Punkto nackter Komik hapert es noch bei den Herren. Aber wahrscheinlich ist es ebenso schwierig von den „Männlichkeitsidealen“ wegzukommen. Wir haben jedenfalls jetzt mit den Teasers das männliche Pendat zu den Teaserettes. Wir wollen mit den Teasers die gleichen Shows produzieren, nur eben in männlicher Besetzung. Jedenfalls hatten die Teaser kürzlich ihre erste Einlage bei den Teaserettes und feierten insbesonders bei der Damenwelt erste Erfolge.

Wie kommen eure Shows zustande?
Wir treffen uns bei einem Kaffee und legen ein Thema, z.B. Splatter, Horror und Crime, fest. Jede denkt sich dann eigene Nummern aus, die dann Frl. Sandy Beach als Conférenciere zusammenführt. Unsere Ausstattung ist selbstgebastelt. Wir schreiben die Texte. Die Shows selber sind eine Mischung aus Comedy, Stip, Tanz. Manchmal haben wir auch eine Band. Wir planen alle 3 Monate eine neue Show und finanzieren uns über Eintritte und Buchungen.

Wie ist das denn mit weiblichen Humor? Wo findet man ihn? Habt ihr Vorbilder?
Ich würde sagen der weibliche Humor ist intelligent und selbstironisch. Er tritt durch die Hintertür ein und wird durch die Blume gesagt. Klar, historisch war das die einzige Möglichkeit sich zu äußern. Insprierend ist für mich als Komikerin Bette Midler.
Oder englische Comedy Shows wie French & Saunders oder Absolutely Fabulous. Hier trauen sich die Frauen noch eher selten sich häßlich oder lächerlich zu machen. Das ist in den USA und Großbritannien anders. Häßlichkeit und Lächerlichkeit sind auch der Schlüssel zur Freiheit. Oder doch ein Vorbild hab ich auch hier: Monika Gruber.

Wieviele Teaserettes gibt es?
Die Teaerettes bestehen aus 5 Freundinnen, von denen 3 Mamis sind.

Was macht ihr sonst so?
Sonst stehen wir als Stand-up-comedienne, Schauspielerin, Archäologin, Fotografin, PR-Frau mitten im Leben. Wir sind sozusagen ein komplettes Team, eine recheriert, die andere schreibt Texte, die die nächste fotografiert und die andere an den Mann bringt.

Wo kann man euch in Berlin sehen?
Aktuell entwickeln wir eine Show im Sex’ n Crime Film Noir Format, die am 7. Juni im Pirate Cove Premiere hat. Davor, am 2. Mai haben wir noch eine Late Night im Engelbrot mit unseren besten Nummern und dort ab Herbst außerdem eine eigene Show.

Noch ein abschließender Satz?
Männer sind super. Nur unabhängig muß frau sein. In diesem Sinne, Frauen, traut euch, laßt euch nichts von anderen einreden, was sich gehört. Denkt selber nach. Außerdem hätten wir gerne mal ältere Frauen auf der Bühne, nicht nur im Publikum…


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