Aufgewachsen in West-Berlin in den 60er und 70er Jahren- ein Buch über Kindheit in Berlin
In dem ersten Buch von Astrid Hoffmann “Aufgewachsen in West-Berlin in den 60er und 70er Jahren” geht es um das Kindheitserleben in einer Großstadt, hin und wieder gestreift von politischen Ereignissen dieser Zeit. Das Buch erinnert in der Aufmachung ein bisschen an ein Schulbuch und für Berlin gibt es von dem bekannten Buch im Schmalformat “Berliner Kindheit um Neunzehnhundert” von Walter Benjamin einmal abgesehen, mittlerweile eine kleine Erinnerungsserie. Das Buch ist in einer Reihe erschienen, die auch Bücher zu Ost-Berlin einschließt.
Astrid Hoffmann, Du bist Berlinerin, in den 60er und 70er Jahren aufgewachsen.
Was hat Dich bewegt ein Buch darüber zu schreiben?
Es ist die subjektive Sicht auf die 60er und 70 er Jahre aus der Perspektive eines Kindes und später eines Heranwachsenden. Was hat ein Kind/Jugendlicher wahrgenommen, was bleibt davon in Erinnerung, war also wichtig. Wir wissen alle, durch das 40 jährige Jubiläum der “68er Generation”, das dieses Jahr politisch “angesagt” war. Aber ein Kind ist unpolitisch. Was gab es also zu erzählen? Zum Beispiel es gab keine Spielplätze. Wir waren aber geburtenstarke Jahrgänge. In jedem Haus in der Innenstadt gab es viele Kinder. In den Höfen und Hausfluren standen überall Schilder mit Aufschriften wie “Das Spielen im Hof und Flur ist verboten”. Was haben wir gemacht und wie sind wir damit umgegangen?
Das Buch hat ja eine recht ungewöhnliche Form; Du sprichst von “Wir”.
Wen meinst Du damit?*
“Wir” sind die in den 60er und 70er Jahre Geborenen. Das Buch basiert nicht nur auf meine Erfahrungen. Ich hatte viele Interviews geführt.
Erlebt man als Kind eine Stadt anders? Oder ist es vielmehr der Blick zurück, der alles in einem anderen Licht erscheinen lässt?
Ein ganz klares Ja! Als Kind erlebt man eine Stadt anders. Das wollte ich erzählen in Abgrenzung zu den vielen Artikeln, die in Zeitungen und anderen Publikationen über die 68er erschienen sind. Der Blick zurück ist immer etwas Komisches. Es geht nicht darum, ob der eine oder der andere Fakt 100% stimmt. Es geht um ein Bild, dass zu einer Erinnerung geworden ist, oder das zu einer Erinnerung passt, weil man zum Beispiel einen bestimmten Geruch wieder erkennt. Zum Beispiel, wenn die Oma “Zwetschgendatschi” gemacht hat, dann ist “Zwetschgendatschi” das Stichwort, aber man sieht doch noch bei diesem Stichwort 35 Jahre später die Oma am Küchentisch stehen und erinnert sich daran wie sie aussah und wie sie das genau gemacht hat. Ich brauche jetzt gerade zum Beispiel gar kein Foto, um solch eine Oma zu sehen.
Wie geht Dein Buch zu Ende bzw. wann geht eine Kindheit zu Ende? Oder war es das Ende einer Epoche? Und ab wann kann man darüber schreiben?*
Eine Kindheit ist zu Ende, wenn man das selber beschlossen hat. Im Extremfall nie. Und ab wann man darüber schreiben kann, ist bei jedem anders. Manche könne es nie, weil sie Verletzungen nicht überwunden haben. Manche können es gerade deshalb besonders gut. Das ist sehr individuell. Bei diesem Buch war das Ende ein tatsächliches Ende einer Epoche mit einem fließenden Übergang. Es reicht ein bisschen in die 80er Jahre hinein.
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