Förderungen müssen an Sozialstandards geknüpft werden: Brief an die Geschäftsführung des Kino Babylon
Sehr geehrter Herr Hackel,
ich habe erfahren, dass das Kino Babylon trotz Förderung durch den Senat den dort Arbeitenden keine sozialen Mindeststandards (z. B. keinen adäquaten Lohn, Verdrängung regulärer Arbeit durch Praktikant_innen, etc.) gewährt.
Ich frage mich, warum trotz staatlicher Förderungen und/oder Sponsoren Arbeit nicht fair honoriert werden kann. Das Babylon ist natürlich kein Einzelfall. Es handelt sich vielmehr um einen flächendeckenden, branchenübergreifenden Trend. Ich glaube nicht, dass ein derartiges Vorgehen eine Gesellschaft befördern kann, und zwar weder im kulturellen und geistigen oder kreativen Sinne, noch in der Bildung und auch nicht im volkswirtschaftlichen Sinne. Betrachtet man die Statistiken zur wachsenden Armut der Beschäftigten, die mit der Zunahme des Gewinns und Ausbau des Potentials in der Kultur- und Medienwirtschaft einhergeht, so muss man konstatieren, dass die Urheber_innen dieser Leistungen kaum noch adäquat vergütet werden und andere diese verwerten und davon profitieren. Persönlich habe ich dazu nur noch folgenden Kommentar: Deutschland ist ein reiches Land, aber es ist so arm, dass es sich nicht mehr leisten kann, Arbeit fair zu honorieren. Die volkswirtschaftlichen Konsequenzen gehen über die individuelle Armut hinaus, fallende Steuereinnahmen, Schwächung des Sozialversicherungssystems und auch der Kaufkraft sind die Folgen und führen in der Konsequenz wieder zu Kürzungen und Einsparungen in einer Vielzahl von Bereichen.
Neben meinem politischen Engagement im Vorstand des Filmverband in ver.di Berlin und im Landesverband der freien Theaterschaffenden für bessere Arbeitsbedingungen für Kultur- und Medienschaffende, habe ich mir vorgenommen, all diese Vorgänge nun zu sammeln und Sie persönlich anzuschreiben. Vielleicht gelingt es mir auch auf diese Weise für die Problematik zu sensibilisieren und eine Änderung der Verhältnisse einzuleiten.
Die Initiative des Babylon für den neuen deutschen Film ist sehr lobenswert. Allerdings ist es so, dass ich vermehrt auf ökologische und soziale Aspekte von Produkten und Dienstleistung achte, ich hoffe, Sie nehmen es mir daher nicht übel, wenn ich daher das Babylon erst einmal nicht besuche und diese Infos auch in meinem Blog www.berlin-off.de poste.
Über eine Antwort würde ich mich natürlich sehr freuen,
mit freundlichen Grüßen, Malah Helman
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“Förderungen müssen an Sozialstandards geknüpft werden” « prekba - prekäres babylon sagte:
[…] freuen sich die Angestellten über alle Off-Kulturbegeisterte die Freude am Babylon haben. In einem offenen Brief an Tobias Hackel, einen der Geschäftsdführer des Babylon Mitte, begründet Malah Helman diesen Schritt und fragt […]
Montag, 23 Februar 2009 @ 11:35am