Zentrum für Politische Schönheit (ZPK) beim Rezitieren eines Gedichts im Öffentlichen Raum festgenommen
„Zum 60. Jahrestag der Bundesrepublik ist es endlich wieder soweit“, schreibt das ZPK in einer Pressemeldung, „für das Rezitieren von Gedichten kann man verhaftet werden.“ Während den Arbeiten an einer neuen Aktion wurde das Zentrum für Politische Schönheit heute morgen bei einem Morgenständchen für Horst Köhler festgenommen. Das Gedicht, das „An die Schönheit“ hieß und von Ernst Stadler stammte, enthielt laut LKA „meinungsäussernde Inhalte“. Das Zentrum für Politische Schönheit ist ein Think Tank für Aktionskunst (und demnächst eine Partei). Es kämpft für mehr Schönheit in der Politik.
Kunst als Aktion im Öffentlichen Raum oder überhaupt die Nutzung des Öffentlichen Raums ist hierzulande kein einfaches Unterfangen mehr. Denn hier wird von der Polizei meistens unterstellt, es handele sich um eine nicht-angemeldete Demonstration, was ein Straftatsbestand ist. Politische Aussagen und damit gemeinhin Handlungen im Öffentlichen Raum bedürfen nämlich immer einer Anmeldung und einer Genehmigung. Daher kann der öffentliche Raum in der aktuellen Gesetzeslage eigentlich nur zur Fortbewegung, zur Werbung und zu privaten Aufenthalten genutzt werden. Eine spezielle Gefahrenzone sind offzielle Gebäude, weil sonst leicht der Verdacht entstehen könnte, man würde sich über diese und die Organe und Personen, die sie beherbergen, also zum Beispiel den demokratisch gewählten Bundespräsidenten Horst Köhler, lustig machen. Und da ist Schluß mit der Komik und auch mit dem Grundrecht auf Kunstfreiheit. Das ist natürlich schwierig, denn eine aktuelle Studie ergab, dass sich die Kunstschaffenden mehr öffentliche Aktionsformen in ihrer Arbeit wieder für notwendig halten.
An die Schönheit
So sind wir deinen Wundern nachgegangen
wie Kinder• die vom Sonnenleuchten trunken•
ein Lächeln um den Mund• voll süßem Bangen
und ganz im Strudel goldnen Lichts versunken•
aus dämmergrauen Abendtoren liefen.
Fern ist im Rauch die große Stadt ertrunken•
kühl schauernd steigt die Nacht aus braunen Tiefen.
Nun legen zitternd sie die heißen Wangen
an feuchte Blätter• die von Dunkel triefen•
und ihre Hände tasten voll Verlangen
auf zu dem letzten Sommertagsgefunkel•
das hinter roten Wäldern hingegangen - -
ihr leises Weinen schwimmt und stirbt im Dunkel.
Ernst Stadler, 1904
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rebel:art » Blog Archive » Zentrum für Politische Schönheit - verhaftet sagte:
[…] Zentrums für Politische Schönheit wurde Strafanzeige gestellt.” Mehr zu diesem Fall auch hier: “Kunst als Aktion im Öffentlichen Raum oder überhaupt die Nutzung des Öffentlichen Raums […]
Montag, 25 Mai 2009 @ 8:55pm
Rechtliche Fragen zur Aktionskunst « Werkstatt für Politische Schönheit sagte:
[…] Hinterlasse einen Kommentar » Aus dem Blog von OFF-Kultur: http://www.berlin-off.de/2009/05/24/zentrum-fur-politische-schonheit-zpk-beim-rezitieren-eines-gedic… […]
Samstag, 25 Juli 2009 @ 8:05pm