Archiv für August, 2009

14., 15. und 16. August „Improjektion” von Zwiebelfisch

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Improvisiertes Theater erschafft Geschichten nach Vorgabe des Publikums und aus dem “Nichts”. Dies findet meist auf einer leeren Bühne mit lediglich zwei Stühlen und etwas Licht statt. Das Duo ZWIEBELFISCH wird mittels Videobeamer und einer Rückprojektionsleinwand auf den Bühnenhintergrund zeichnen lassen. Ein Comic- oder Storyboardzeichner wird spontan Räume, Landschaften und alle Art Szenen skizzieren. So improvisiert er Raum und Zeit, in denen die Figuren sich entwickeln. Mal entsteht erst der Ort, mal beginnen die Spieler oder beides entsteht zusammen. Die Bühne wird lebendig und um eine Dimension bereichert. Die “Improjektion” hat sogar noch mehr Möglichkeiten: Es sind Szenen im Stile des Stummfilms, bei denen Zwischentexte auftauchen, auch Comics oder völlige Abstraktion denkbar. Die Improvisation erobert so das Bühnenbild. Mit “Improjektion - als das Improvisationstheater zeichnen lernte“ ” hat eine neue Form des (improvisierten) Theaters Premiere. More…

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Zentrum für Politische Schönheit versteigert Kanzlerkanditaten bei Ebay

Das Zentrum für Politische Schönheit hat aufgrund der abnehmenden Wahlbeteiligung die Bundeskanzlerin und den Außenminister im Internet-Auktionshaus “Ebay” zum Verkauf angeboten. Gegen den inspirationslosen Wahlkampf soll mit dieser Auktion ein Zeichen gesetzt werden. “Es ist viel die Rede von unpolitischen Bürgern. Viele Deutschen wären gerne politisch, würden die Politikerinnen und Politiker nur etwas in ihnen wecken. Ohne das Gefühl, Teil von etwas Bedeutsamen zu sein, wird die Wahlbeteiligung am 27. September 2009 auf neue – historische – Tiefststände fallen. Den deutschen Politikern ist jeder Sinn für Größe, Kraft und Schönheit abhanden gekommen. Es geht um die grundsätzlichen Ziele. Wenig an dem, was wir heute politisch wollen, wäre Stoff für Poesie oder Epen. Oder können Sie sich einen Pindar für Merkel und die Abwrackprämie vorstellen?” (Auszug aus dem Ebay-Angebot).

Nachtrag:
Die Auktion der Kanzlerin, die von ebay eingestellt wurde, läuft wieder (Spiegel TV). Das Zentrum für Politische Schönheit verhandelte bis zuletzt mit einem pakistanischen Auktionshaus, das sogar Waffen und Drogen anbietet. Aber: “Nicht einmal das pakistanische Auktionshaus wollte die beiden haben”, so Philipp Ruch.

Der Vorfall hat jetzt ein rechtliches Nachspiel: das Zentrum für Politische Schönheit wird das Auktionshaus “Ebay Int.” auf Schadensersatz wegen “geschäftsschädigenden Verhaltens” verklagen. Auf die Ausfallsumme von 5,6 Millionen Euro, die man sich als Erlös für die Bundeskanzlerin erhofft hatte. 5,6 Millionen Euro, soviel kostet das “Seerosen”-Projekt, in dem das Zentrum für Politische Schönheit 1000 schwimmende, festverankerte Plattformen auf dem Mittelmeer errichten will, um Tausende Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. “Jeder Politiker in Europa weiß, dass Tausende Menschen auf dem Wasserweg nach Europa ertrinken”, so Ruch. “Aber keiner unternimmt etwas dagegen. Eine Beschämung unseres humanistischen Anspruchs!”

Laut Stefanie Talaska, der Leiterin der Kampagne, wird das Zentrum jetzt Klage in den USA einreichen. “Unsere Anwälte bereiten eine Schadensersatzklage vor”, so Talaska. Ebay Deutschland schweigt zu dem Vorfall. Vermutlich weiß man, dass es für das Einschreiten keine rechtliche Grundlage gibt.

Inzwischen sind die Angebote wieder online gestellt.
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Glosse: Gehälter und Diäten der Politiker an Entwicklung der Durchschnittseinkommen koppeln


Honoraruntergrenzen für Kulturschaffende stehen weiterhin nicht zur Debatte. Auf dem Symposium der freien Theaterschaffenden im Mai wurde der Forderung der Theaterschaffenden nach Honoraruntergrenzen und Vergütung der aufgewendeten Zeit für Vorbereitung und Nachbereitung bei öffentlich geförderten Projekten von den anwesenden politischen Vertreter_innen der Länder gründlich verneint. Dabei ergab die aktuelle Studie zur Situation Künstler_innen, dass trotz einer 40 bis 60 Stunden Woche   42, 1 Prozent der freien Theaterschaffenden ein Jahreseinkommen von weniger als 10.000 Euro aufweisen. 19 Prozent mussten in den letzten drei Jahren aufgrund fehlenden Einkommens mehrmals Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Die Kulturenquete schätzt, dass die Einkommen der Tänzer und Schauspieler in den letzten Jahren um 30 bis 40 Prozent gesunken sind.  Dennoch sagte Barbara Kisseler, die von dem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier in das Kompetentteam der SPD geholt wurde, also wenn jetzt die Künstler mit einem Mindestlohn kämen, dann kämen demnächst auch noch die Taxifahrer und überhaupt, dann würden die Kulturschaffenden womöglich noch auf eine jährliche Anpassung ihrer Gagen dringen. Wo kämen wir denn da hin! All das prekär und billig beschäftigte Pack, die Künstler, Taxifahrer, Erzieher, Callcenteragenten, Reinigungskräfte, Hotel- und Gastronomiebeschäftige, also vielleicht so ca. 60 Prozent der Bevölkerung alle einen angemessenen Lohn haben wollen. Also zu dem neuen deutschen Wirtschaftswunder, den 25 % Rendite kämmen wir dann nicht mehr. Aber wir haben ja gelernt, die 25 % Rendite ist nur mit Milliarden von staatlichen Hilfen zu machen.

Ja, wohin kämen wir dann, vielleicht zu niedrigeren Sozialkosten, zu keiner Alterarmut, mehr Steuereinnahmen, wiederum mehr Gelder für Kultur und Bildung oder gar zu mehr Konsum.

Allerdings sprach Frau Kisseler nur das aus, was immer noch das politische Denken der meisten Politiker_innen kennzeichnet. So verhinderte auch die CDU bislang erfolgreich den Mindestlohn und die Vergütung von Praktika. Die Verfasserin erinnert sich noch gut an die Debatte der Bundesgrünen, wo die anwesenden Verantwortlichen der Bundespolitik, Brigitte Pothmer und Kathrin Eckhardt-Göring, die anwesenden Kulturschaffenden mit den folgenden Worten begrüßten, ja ein Großteil der Künstler_innen sei arm, aber befördere Armut nicht auch die Kreativität?

Auch bei der Novellierung des Filmfördergesetz 2008 wurde die Aufnahme tariflicher Sozialstandards von der großen Koalition mit der Begründung abgelehnt, dass sei nicht verfassungskonform. Diese Begründung bezieht sich auf eine EU-Entscheidung, nach der die Vergabe von Fördermitteln nicht die Freizügigkeit von Dienstleistungen einschränken darf. Qualitätssichernde, soziale und ökologische Standards fallen einer rein am Markt ausgerichteten Politik zum Opfer. Und widerspricht den eigentlich schon definierten Normen, wie das Recht auf angemessenen Lohn, auf einen Mindestlohn, auf soziale Sicherung, auf einen angemessenen Lebensstandard, Berufsfreiheit, gerechte und günstige Arbeitsbedingungen, regelmäßigen bezahlten Urlaub und einiges mehr des Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, kurz UN-Sozialpakt, der 1973 von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert wurde.

Es ist auch interessant, wie wenig sich die Politik dem Steuerzahler verantwortlich sieht, der die Gehälter und Diäten derjenigen finanziert, die sie sich selber regelmäßig anpassen. Vielleicht würde die politische und soziale Kompetenz nicht weniger Politker_innen dadurch angehoben werden, wenn sich ihre Gehälter und Diäten dem Durchschnittseinkommen angepasst würden.  Die Absenkung der Gehälter, Diäten und Pensionen würde sicherlich zur Entlastung des Haushalts beitragen. Für Fachgremien gilt natürlich das jeweilige spezifische Durchschnittsseinkommen. 13.884 Euro verdient eine Künstlerin laut Statistik der Künstlersozialkasse im Durchschnitt. Nicht monatlich, sondern jährlich. More…

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Vom 3.-21. August: Weinen für die Polkappen - Szenarien globaler Empathie

Mehr Empathie fordern die einen. Nicht mehr mitfühlen – sondern handeln, wollen die anderen. Was ist überhaupt Empathie?, fragen die nächsten.Wenn es um Einfühlungsvermögen und Mitgefühl geht, streiten sich die Geister. Brauchen wir einen Empathietest für Politiker und Unternehmer? Eine verpflichtende ärztliche Empathievorsorge für jeden - mit extra Trainings für werdende Eltern? Und mal angenommen die Globalisierung zwänge uns sogar, Mitgefühl – ebenso wie Informationen und Produkte - über lokale Grenzen hinaus zu verteilen und zu empfangen,angenommen jedes verletzte Leben weltweit brächte uns zwangsläufig zum Trauern - als wäre es die geliebte Großmutter, der beste Freund, das eigene Kind… Was wären die Konsequenzen? Vom 3.-21. August 2009 laden drei Empathiemeilen in Berlin zum kontrafaktischen Gedankenaustausch ein. More…

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Im August: Referentinnen- Geschichten aus der zweiten Reihe

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Deutschland unter Apfelblüten: die Regierung trifft sich zur Klausursitzung im Garten von Schloss Genshagen – oder Neuhardenberg oder Meseberg. Die Presse ist geladen. Man demonstriert Harmonie und Entspannung, doch tatsächlich geht es um die Macht: Fehler wurden begangen, politische “Konsequenzen” müssen gezogen werden, Köpfe werden rollen – und wie. Alles eine Frage der perfekten Inszenierung. Im Zentrum des Abends steht das betriebsam-lautlose Wirken der Referentinnen unserer Mandatsträger. Unter Hochdruck haben sie eine Lösung zu finden, damit “Verantwortung übernommen”, Schuld getilgt und Politik wieder reibungsfrei möglich wird. ie Musik greift diese barocke Spannung zwischen Prunk der Macht und Jenseitssehnsucht auf und spannt von hier aus einen weiten Bogen, von barocken Passionsmusiken über die melancholische Ausgelassenheit, von Balkanmusik bis hin zu neu und schräg arrangierten Songs. More…

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