Donnerstag, 25 Februar 2010 @ 10:06am • B: Beiträge, B: Kunst und Politik

Wäre es ein Langfilm, würde der Titel vielleicht heißen „das langsame Sterben“. Zuerst traf es die regionalen Filmbüros. Die meisten von ihnen wurden umstrukturiert oder angegliedert mit dem Ergebnis, dass Independent und Autorenfilmer kaum noch Fördertöpfe zur Verfügung stehen, die niederschwellig zu erreichen sind und unkompliziert mit kleinen Summen das Ausprobieren ermöglichen. Die staatlichen Fördersysteme scheinen die Frage, wie Kunst entsteht, nicht mehr zu stellen. Der Kulturstaatsminister, Bernd Neumann, interessiert sich ausschließlich für die Belange der Filmindustrie. Ihr bewilligte er ein mit 60 Millionen Euro dotierte Filmförderprogramm. Großproduktionen und Kooperationen zwischen Fernsehfilm und Kinoauswertung greifen immer mehr Fördermittel ab. Vor 2 Jahren wurde das Filmfördergesetz erneut novelliert. Im Gegensatz zu Groß Britannien gibt es hier immer noch keine Quote für kleine Filmproduktionen. Frauenquote, Indyquote. Gute Dinge brauchen eine Quote. In der BRD wird darüber bestenfalls geredet aber nichts getan.
Kleine Produktionen und der Independent- und Experimentalfilm konnten bislang noch über die verschiedenen Förderinstrumente der Filmförderanstalt (FFA) eine Förderung bekommen. Die FFA ist insofern ein ungewöhnliches Förderinstrument, da sie sich nicht aus Steuermitteln finanziert, sondern durch Gebühren und Beiträge, die die im Bereich Kino/TV großen Unternehmen und Sender entrichten. 2003 wurde der Etat der FFA von 46,2 Mio. auf 76 Mio. Euro erhöht. Der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF), der die großen Kinoketten vertritt, hat dies zum Anlass genommen, zu klagen. Zudem plante die FFA Mittel bereitstellen, um die teure Digitalisierung auch in kleinen Kinos zu ermöglichen. Viele der Multiplexe haben bereits digitalisiert und würden es begrüßen, diesen Marktvorteil gegenüber den kleinen Kinos auszubauen und den Kinomarkt zu erobern, der bislang noch durch eine gewisse Vielfalt geprägt ist. Die großen Ketten haben hier lediglich einen Marktanteil von 50%.
Da die Mitglieder des HDF nur unter Vorbehalt zahlen, kann die FFA diese Gelder nicht ausgeben und einige Förderbereiche liegen still bzw. die Gelder werden nicht ausgezahlt. Mittlerweile liegt die Klage vorm Bundesverfassungsgereicht. Die Existenz der FFA ist bedroht, daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Bernd Neumann 3 Millionen aus seinem Haushalt für die Digitalisierung kleiner Kinos zur Verfügung stellen will. Denn die Klage des HDF, die das Fördersystem in Frage stellt, war vor dem Bundesverwaltungsgericht bereits erfolgreich. Es steht zu befürchten, dass auch das Bundesverfassungsgericht nicht anders entscheiden kann, da die Kulturförderung gemäß dem förderalistischen Prinzip Ländersache ist und die Frage nach erlaubter Kulturförderung und wirtschaftlicher Subvention könnte nun anders entschieden werden. Ob eine derartige Entscheidung auch Auswirkungen auf weitere Bereiche haben kann, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass die Förderung von Kinoproduktionen (und auch öffentlich –rechtlicher Sender) von der neoliberalen EU-Kommission attackiert wird, die der Meinung ist, Förderungen verhinderten Wettbewerb. Dass „Marktfreiheit“ Konzentration fördert und Vielfalt verhindert, wird tunlichst übersehen. Die „freie“ Marktwirtschaft könnte genauso in Meinungsmonopolen enden, wie der real existiert habende Kommunismus.
malah helman
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Dienstag, 9 Februar 2010 @ 7:08pm • B: Kunst und Politik, O: For Free
Förderstrukturen und künstlerische Freiheit - Perspektiven der freien Theaterszene in Berlin“ (Ein Film von Studierenden des Otto-Suhr-Instituts, FU Berlin)
Podiumsdiskussion:
mit Kulturschaffenden der freien Theaterszene in Berlin und VertreterInnen aus Politik, Kultur und Medien More…
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Dienstag, 9 Februar 2010 @ 7:05pm • B: Kunst und Politik, O: For Free
Die öffentliche Kulturförderung ist bei ständig knappen Kassen ein Berliner Dauerthema. Im letzten Jahr litten die Kulturschaffenden in Pankow unter der vom Land auferlegten Haushaltssperre – in diesem Jahr trifft es Friedrichshain/Kreuzberg. Öffentlich finanzierte Projekte stehen ständig unter Finanzierungsvorbehalt, eine schwierige Situation, die für viele Projekte das Aus bedeutet. Doch nach wie vor gibt es landes- und bezirksweite Förderung. Diese richtig zu nutzen ist die Herausforderung vor der die Berliner Kulturschaffenden stehen. Welche Schwerpunkte setzen die aktuellen Programme der Senatskanzlei und wie sieht deren Ausgestaltung aus? Wie ist angesichts der krisenbehafteten Haushaltslage die Perspektive über den Doppelhaushalt 2010/11 hinaus? Wer entscheidet über die Verteilung der Mittel? Wo sehen die Akteure die Bedarfe? Welche Transformationen in der Förderlandschaft sind notwendig? Wo gibt es Alternativen bzw. Ergänzungen zur Förderung über Finanzen aus dem Haushalt? Diese und weitere Fragen bieten den Stoff für spannende Diskussionen beim nächsten ARTWert-Forum, zum wir Sie herzlich einladen. More…
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Sonntag, 7 Februar 2010 @ 12:54pm • B: Beiträge, B: Kunst und Politik

Wo es doch Flachbildschirme gibt! Das ist die etwas höhnische Quintessenz des Spiegel-Autors Olaf Sundermeyer. In seinem Artikel beschreibt er die Künstlerproteste im Ruhrgebiet zu den drohenden Kürzungen der Gelder in Kunst und Kultur. Ein Szenario das lokal und regional sich noch öfter abspielen wird. Laut Sundermeyer protestiert ein Häufchen Kunstschaffender hingegen die Massen in den nächsten Konsumtempel strömen, um Flachbildschirme kaufen. Kunst ist offensichtlich ein Auslaufsmodell. Man sollte Sundermeyer unbedingt daraufhin weisen, dass auch Journalisten niemand mehr braucht, wo es doch PR-Schreiber gibt, die die im Kapitalismus systemrelevante Aufgabe das Publikum zum Kauf und nicht zum Nachdenken animieren, doch weitaus effizienter erfüllen.
Wozu wird Kunst eigentlich gebraucht? More…
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Sonntag, 17 Januar 2010 @ 10:09pm • B: Kunst und Politik
im Folgenden Info und Anleser aus den Nachdenkseiten:
Köln: Grünes Licht für Kulturförderabgabe
In seiner gestrigen Sitzung hat der Hauptausschuss der Stadt Köln die SPD-Initiative zur Einführung einer Kulturförderabgabe beschlossen. Dem Rat soll baldmöglichst ein entsprechender Satzungsentwurf zur Genehmigung vorgelegt werden. Beherbergungsbetriebe werden dann pro Übernachtung an der Finanzierung von kulturellen Aufgaben der Stadt beteiligt. Die Abgabe soll 5% des Übernachtungspreises betragen. Die Stadt nutzt damit das grundgesetzlich garantierte Erhebungsrecht für Aufwandsteuern.SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Börschel: „Die Satzung muss dann noch vom Land genehmigt werden, da wir mit unserem Antrag Vorreiter in NRW sind. Mit der Abgabe holen wir uns in etwa das zurück, was uns der Bund durch seine unverantwortliche kommunalfeindliche Klientelpolitik wegnimmt. Insofern handeln wir aus Notwehr. Ich gehe davon aus, dass unserem Beispiel weitere Kommunen folgen werden. Wir sind vielleicht die Ersten, bleiben aber gewiss nicht die Einzigen!“ Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz den Mehrwertsteuersatz für Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent reduziert. Durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz fehlen der Stadt Köln 2010 etwa 16 Mio. Euro und ab 2011 jährlich ca. 23 Mio. Euro. Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz entlastet das Kölner Hotelgewerbe jährlich um circa 40 Mio. Euro. Die Kulturförderabgabe bringt der Stadt etwa 20 Mio. Euro/Jahr More…
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