Archiv für die Kategorie 'B: Beiträge'

Nachruf Fête de la Musique: oder warum müssen Kulturschaffende in der Geldgesellschaft immer umsonst arbeiten?

Die Fête de la Musique ist ein gefördertes Festival mit Sponsoren, Umsatz mit Getränken, u. a.. Nur die Künstler_innen gehen gemäß alter Tradition wieder einmal leer aus. Man mag das für einen besonderen Werbegag halten, dass Künstler_innen auch heute wieder für lau auf der Bühne stehen, während Banker immer noch Milliarden einstreichen. Bezahlt wird nur noch, wer berühmt oder systemrelevant ist. In Zeiten steigender Armut, auch der Künstler_innen, ist es schade, um nicht zu sagen ein Armutszeugnis, dass sich die Festivalorganisation, die Senatsverwaltung als Förderer und die Veranstalter nicht bemühen eine Finanzierung für diejenigen auf die Beine zu stellen, die das Festival ermöglichen und zum Ruf Berlins als Kulturhauptstadt wesentlich beitragen.
Malah Helman

geschrieben von adminPermalinkKommentare (0)Kommentar hinterlassen »

8. Juli: Wer für die Kunst lebt, soll auch von der Kunst leben können- Fachgruppe Bildende Kunst befragt Politiker vor der Bundestagswahl

Jetzt haben wir es sozusagen amtlich: In der Diskussion um die Ausstellung im Gropius Bau „60 Jahre, 60 Werke“ wurden die ostdeutschen Künstler ausgeschlossen. Und man scheute sich nicht vor der Begründung: In einer Diktatur könne Kunst nicht entstehen. – Das müssen wir als Missachtung der vielen Künstlerinnen und Künstler zurückweisen, die unter Diktaturen oft genug auch unter Einsatz ihrer Freiheit und ihres Lebens Hervorragendes für die Kunst und damit auch für die unter Diktatur leidenden Menschen geleistet haben. Wahrlich, Diktaturen machen es Künstlern schwer, ihre Kunst zu entwickeln. Auch deshalb waren und sind die meisten Künstler entschiedene Gegner von  Diktaturen. Halten wir abschließend fest: Kunst entsteht trotz und gegen Diktatur.  Wir feiern 60 Jahre Grundgesetz und damit 60 Jahre  „Freiheit der Kunst“. Wie ist die Bilanz? Kann der freie Markt die Freiheit der Kunst sichern oder ist der freie Markt nicht ein effektiver Zensor? Ist die Freiheit der Kunst allein durch den Markt zu sichern oder brauchen wir nicht das aktive Eingreifen des Staates zur Sicherung der Freiheit der Kunst und ihrer materiellen Grundlagen. Wenn wir die Bilanz ziehen, dann können wir im 60. Jahr der proklamierten Freiheit der Kunst feststellen, dass die meisten Künstler am Rande bzw. unter dem Existenzminimum leben. Wer aber möchte ihnen vorwerfen, dass sie nicht hervorragende Kunst schaffen? Und die bestehenden „freien Zonen“ sind angesichts der Kürzungen in den öffentlichen Haushalten, die sich unter dem Druck der Krise noch verschärfen werden, in ihrer Existenz bedroht.Müssen wir nicht die analoge Feststellung treffen: Kunst muss sich gegen den Markt und die Marktgesetze durchsetzen.

Um diese Diskussion ganz konkret führen zu können, hat die Fachgruppe Bildende Kunst, unterstützt von den anderen Kunstfachgruppen in unserem Fachbereich, im Vorfeld der Bundestagswahlen Abgeordnete aller im Bundestag vertretenen Parteien eingeladen.  Mit ihnen soll diskutiert werden, welchen Beitrag sie für die Verteidigung der materiellen Grundlagen für die Freiheit der Kunst leisten wollen und können.ver.di wird auf dem Podium vertreten durch Lorenz Müller-Morenius, Bundesvorsitzender der Fachgruppe Bildende Kunst, und  Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Bereichsleiter Kunst und Kultur in ver.di. Moderator ist Gotthard Krupp, Mitglied des Berliner Fachgruppenvorstandes. Diskutiert werden u.a. folgende Fragen: Wie kann ein Schutzschirm für Kunst und Kultur aussehen? Wie wollen die Abgeordneten die prekäre soziale Lage verbessern, in der sich die meisten Künstler und Künstlerinnen sehen? Dazu kommen praktische Fragen wie die nach der Zukunft der Künstlersozialkasse, von Arbeitslosengeld I und II, Ausstellungshonoraren und – vergütung. Die Diskussion wird nicht allein unter den Podiumsgästen geführt, sondern ist vorrangig zwischen diesen und den anwesenden Künstlerinnen und Künstlern geplant. Deshalb kommt bitte zahlreich zu dieser Veranstaltung, um mit den Abgeordneten zu diskutieren und ihnen unsere Forderungen mit auf den Weg zu geben! Für Bildende Künstlerinnen und Künstler, Schriftstellerinnen/Schriftsteller, Theaterleute, Musiker und Gäste sind herzlich willkommen.
Gotthard Krupp
Abdruck mit freundlicher Genehmigung ver.di Sprachrohr und Fachgruppe Bildende Kunst in ver.di More…

geschrieben von adminPermalinkKommentare (0)Kommentar hinterlassen »

Kunst produzieren in Berlin


Der Fonds Darstellende Künste initiierte mit dem Zentrum des Internationalen Theaterinstituts der Bundesrepublik Deutschland (ITI) und weiteren Kooperationspartnern, darunter auch ver.di, 2007 die bislang umfassendste Datenerhebung zu Arbeits- und Lebensbedingungen der Theater- und Tanzschaffenden in Deutschland. Die Auswertung der Studie zur “Wirtschaftlichen, sozialen und arbeitsrechtlichen Lage der Theater- und Tanzschaffenden“ wurde vom Zentrum für Kulturforschung in Bonn übernommen und die Ergebnisse Anfang Mai in Berlin vorgestellt.

Von 4100 bundesweit erhobenen Fragebögen kamen 1046 aus Berlin. Knapp 60 Prozent der Berliner Befragten waren weiblich, der Altersdurchschnitt lag zwischen 30 und 39 Jahren, 82,5 Prozent waren in Deutschland geboren, über die Hälfte hat einen, meistens künstlerischen Hochschulabschluss und ist ledig. 69,4 Prozent hat keine Kinder und führt hier durchaus berufliche Motive an. Es gibt kaum einen Tätigkeit aus dem Theaterbereich, ob künstlerisch, technisch oder pädagogisch, die nicht vertreten ist, am häufigsten ist der Schauspielerberuf. Fast 19 Prozent üben derzeit einen anderen Beruf aus. 61, 7 Prozent starteten gleich nach dem Abschluss in die Selbstständigkeit und 64 Prozent arbeiten im Freien Bereich. 81,6 Prozent kamen auf 10 Projekte pro Jahr, die häufig mit einer Grundgage und mit Erfolgbeteiligung honoriert wurden. Fast 40 Prozent wies jährlich 4 bis 6 Monate auf, die nicht durch Projekte abgedeckt wurden. Die Zahl der Gast-, Teil- und befristeten Verträge an Theatern nimmt zu. 43,6 Prozent hatten kein festes Arbeitsverhältnis, die meisten übten mehrere Nebentätigkeiten in den Medien oder als Pädagog_innen aus, die Hälfte hatte eine nichtkünstlerische Nebentätigkeit. Trotz einer 40 bis 60 Stunden Woche hatten 42, 1 Prozent ein Jahreseinkommen von weniger als 10.000 Euro. Knapp 33 Prozent sagten, dass ihr Einkommen in den letzten zwei Jahren gesunken ist. Von 88 Prozent der gesetzlich Versicherten waren 40 Prozent in der KSK, 47 Prozent wussten nicht, wie ihre aktuellen Rentenansprüche sind. Knapp 25 Prozent erwarteten eine Rente unter 500€. Nur 20 Prozent hatten Anspruch auf Arbeitslosengeld 1. 31 Prozent mussten in den letzten drei Jahren aufgrund fehlenden Einkommens mehrmals Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Die meisten sind kein Mitglied in einem Berufsverband oder einer Gewerkschaft. 68 Prozent forderten mehr finanzielle Mittel für die freie Tanz- und Theaterszene Berlins. Die Bewertung der eigenen Lage lag bei den meisten zwiespältig bis schlecht. Die Mehrheit beurteilte die Regulierung der Kunstausübung durch den Markt ablehnend und betont die Freiheit der Kunst. Die schwierigen Arbeitsbedingungen nahmen bei der Frage, was zuerst auf die kulturpolitische Agenda gehört, den ersten Platz ein. Angemessene Honorare, eine Arbeitslosenversicherung und eine Rente deutlich über der Grundsicherung, die einem harten und engagierten Arbeitsleben entspricht, sowie eine grundsätzliche Versicherungsmöglichkeit in der Künstlersozialkasse sind für die Kunst- und Kulturarbeiter ein existenzielles Grundbedürfnis.

„Berlin profitiert weltweit von den vielen tollen Künstlern, behandelt uns aber wenn es um Arbeitsbedingungen geht wie den letzten Dreck… wir sind fürs Image gut, aber Arbeiten müssen wir am Rande, ohne Geld. Das finde ich sehr demütigend.“, lautete ein Kommentar, der die Situation für Berlin resümiert. Die Theaterschaffenden vermissen kompetente und nachhaltige Entscheidungen in aller Politikebenen, die dem entsprechen, was die Politik immer wieder verkündet: Kultur und Bildung sind die wesentlichen Grundlagen einer Gesellschaft. Dennoch werden die meisten Theaterschaffenden nicht von der neuen Sonderregelung in der Arbeitslosenversicherung für kurzfristig abhängig Beschäftigte profitieren, denn vermutlich übersteigen ihre Gastverträge die 6 Wochenfrist oder die Projekte werden, was zunehmend der Fall ist,  auf selbstständiger Basis und freiberuflich durchgeführt.
Malah Helman

geschrieben von adminPermalinkKommentare (0)Kommentar hinterlassen »

Zentrum für Politische Schönheit (ZPK) beim Rezitieren eines Gedichts im Öffentlichen Raum festgenommen

img_0063_1.jpg
Foto: ZPK

„Zum 60. Jahrestag der Bundesrepublik ist es endlich wieder soweit“, schreibt das ZPK in einer Pressemeldung, „für das Rezitieren von Gedichten kann man verhaftet werden.“ Während den Arbeiten an einer neuen Aktion wurde das Zentrum für Politische Schönheit heute morgen bei einem Morgenständchen für Horst Köhler festgenommen. Das Gedicht, das „An die Schönheit“  hieß und von Ernst Stadler stammte, enthielt laut LKA „meinungsäussernde Inhalte“. Das Zentrum für Politische Schönheit ist ein Think Tank für Aktionskunst (und demnächst eine Partei). Es kämpft für mehr Schönheit in der Politik.

Kunst als Aktion im Öffentlichen Raum oder überhaupt die Nutzung des Öffentlichen Raums ist hierzulande kein einfaches Unterfangen mehr. Denn hier wird von der Polizei meistens unterstellt, es handele sich um eine nicht-angemeldete Demonstration, was ein Straftatsbestand ist. Politische Aussagen und damit gemeinhin Handlungen im Öffentlichen Raum bedürfen nämlich immer einer Anmeldung und einer Genehmigung. Daher kann der öffentliche Raum in der aktuellen Gesetzeslage eigentlich nur zur Fortbewegung,  zur Werbung und zu privaten Aufenthalten genutzt werden. Eine spezielle Gefahrenzone sind offzielle Gebäude, weil sonst leicht der Verdacht entstehen könnte, man würde sich über diese und die Organe und Personen, die sie beherbergen, also zum Beispiel den demokratisch gewählten Bundespräsidenten Horst Köhler, lustig machen. Und da ist Schluß mit der Komik und auch mit dem Grundrecht auf Kunstfreiheit. Das ist natürlich schwierig, denn eine aktuelle Studie ergab, dass sich die Kunstschaffenden mehr öffentliche Aktionsformen in ihrer Arbeit wieder für notwendig halten. More…

geschrieben von adminPermalinkKommentare (2)Kommentar hinterlassen »

Am Ende der Marktfreiheit – Studie zur Arbeits- und Lebenssituation der Theaterschaffenden erschienen


Der Fonds Darstellende Künste initiierte mit dem Zentrum des Internationalen Theaterinstituts der Bundesrepublik Deutschland (ITI) und weiteren Kooperationspartnern, darunter auch ver.di, 2007 die bislang umfassendste Datenerhebung zu Arbeits- und Lebensbedingungen der Theater- und Tanzschaffenden in Deutschland. Die Auswertung wurde vom Zentrum für Kulturforschung in Bonn übernommen.

4100 nahmen an der Studie zur “Wirtschaftlichen, sozialen und arbeitsrechtlichen Lage der Theater- und Tanzschaffenden“ deren erste Ergebnisse nun vorliegen und die Anfang Mai auf dem internationalen Symposium “Report Darstellende Künste: Die Lage der Theater- und Tanzschaffenden im Kontext internationaler Mobilität“ diskutiert wurden. Ziel ist, Material für kulturpolitische und kulturwirtschaftliche Strategien auf kommunaler, Landes- und Bundesebene zur Diskussion zu stellen, um eine Verbesserung der Künstler_innen  in einem veränderten Arbeitsmarkt zu erreichen. Beabsichtigt war, alle Tanz- und Theaterschaffenden einzubeziehen und zu Beruf, Biographie, Herkunft, Ausbildung, Einkommen, Arbeitssituation, sozialer Sicherung und kulturpolitischem Handlungsbedarf zu befragen. Jedoch beteiligten sich nur ca. 700 Beschäftigte der festen Häuser, weil das Präsidium des Deutschen Bühnenvereins, der Arbeitgeberverband der öffentlichen Theater, die Studie nicht kommunizierte und eine Unterstützung ablehnte.

Die fast 60 Prozent der Befragten waren weiblich, der Altersdurchschnitt lag zwischen 30 und 39 Jahren, knapp 85 Prozent waren in Deutschland geboren, 7 Prozent kamen aus einem anderen Land der EU, knapp ein Viertel lebt in Berlin, über die Hälfte hat einen, meistens künstlerischen Hochschulabschluss und ist ledig. 65,7 Prozent hat keine Kinder und führt durchaus berufliche Motive an. Es gibt kaum einen Tätigkeit aus dem Theaterbereich, ob künstlerisch, technisch oder pädagogisch, die nicht vertreten ist, am häufigsten ist der Schauspielerberuf. 20 Prozent üben derzeit einen anderen Beruf aus. 70, 3 Prozent kamen auf 10 Projekte pro Jahr, die häufig mit einer Grundgage und mit Erfolgbeteiligung honoriert wurden. Knapp ein Drittel wies jährlich 4 bis 6 Monate auf, die nicht durch Projekte abgedeckt wurden. Die Zahl der Gast-, Teil- und befristeten Verträge an Theatern nimmt zu. Gut ein Drittel hatte kein festes Arbeitsverhältnis.

More…

geschrieben von adminPermalinkKommentare (0)Kommentar hinterlassen »

« Vorhergehende SeiteNächste Seite »